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SILENT PERCEPTIONS: Die Ausstellenden im Inter

Unter dem Ausstellungstitel Silent Perceptions präsentieren 18 Künstler und Künstlerinnen aus ganz Deutschland ab dem 01. Februar 2019 jeweils zwei ihrer Werke in der GRACE DENKER GALLERY und ermöglichen Besuchern und Kunstaffinen somit einen Einblick in ihre kreative Arbeit und machen ebenso neugierig auf mehr.

Die unterschiedlichen Herangehensweisen, Ideen und Konzepte kommen zusammen und kreieren die Möglichkeit die Werke in ihrem individuellen Wesen zu betrachten, als auch im Kollektiv wahrzunehmen.

Lernen Sie in folgendem Beitrag die Ausstellenden besser kennen und erhalten Sie einen Einblick in ihr künstlerisches Schaffen und ihre artistischen Konzepte. Die Ausstellenden beantworten uns, wie ihr künstlerischer Prozess aussieht, wie sie beginnen und welche Materialien sie verwenden. Zudem erklären sie, welchen Einfluss ihre Kunst auf die Welt haben kann.


In Teil 2 äußern sich Doménico CV Talarico, Jorinde Olling, Constanze Thielecke, Richard Liebich, Marita Tobner, Beate Münch, Ingrid Hauff, Claudia Fauth, Peter Kaden und Ivan Gette.

Anmeldung für die Vernissage unter: https://www.artcraftliving.com



Doménico CV Talarico


Meine Arbeiten basieren auf alten Fotografien, welche ich in Fotoalben oder Flohmarktkisten finde. Ich lasse diese von der Zeit vergessenen Personen wiederauferstehen und schaffe neue Geschichten.


Die Bilder werden in der Regel mit - teilweise stark verdünnter - Acrylfarbe auf Leinwänden gemalt. Diese wird in vielen Schichten übereinander aufgetragen, bis die von mir gewünschte Plastizität erreicht ist.


Den Nutzen von Kunst im Allgemeinen erklären zu müssen möchte ich nicht auf meinen Schultern tragen. Meine Sicht auf die Welt spiegelt sich in meiner Kunst wider und zündet bei dem ein oder anderen Betrachter, der sich mit meinen Bildern auseinandersetzt, einen Funken.


Der Grundgedanke meiner Arbeit ist die Begrifflichkeit von Identität. Indem ich unbekannte, erloschene Personen male möchte ich die Fragilität des Individuum begreiflich machen. Etwa wie schnell das eigene Leben und damit verbunden die Erinnerungen und der Zeitgeist erlischt. Die Menschen und die Szenerien, die ich darstelle, sollen wie ein magisches Spiegelbild den Betrachter aufrütteln und gleichzeitig in lieblich-schwermütige Nostalgiegefühle eintauchen lassen.


So treffen nicht nur in meinen Kunstwerken unterschiedliche Epochen aufeinander, sondern beziehen die Gegenwart des Betrachters mit ein: So wird auch er/sie zum Teil meines Konzepts.




Jorinde Olling


Der kreative Prozess ist mein bester Lehrer. Als ein sensibles, kreatives und selbstbewusstes Individuum erkunde ich ständig neue Wege, wie ich mich ausdrücken kann. Ich habe mich immer auf visuelle Kunst konzentriert, aber erst als ich die Tangiblenität und Ausdruckskraft von abstrakter Kunst, Acrylfarbe und großen Leinwänden entdeckte, fand ich endlich mein wahres Zuhause.


Immer habe ich mich im Einklang mit dem Energiestrom in unserer physischen Welt gefühlt. Unabhängig davon, ob es sich um eine dynamische Beziehung, einen emotionalen Zustand oder ein organisches Element handelt, ist abstrakte Kunst meine Art, auszudrücken, wie ich diese Energie wahrnehme und erlebe. Durch meine Kunst möchte ich die Feinheiten und die Magie des Alltags einfangen.


Ich arbeite sehr prozessorientiert und alle meine Stücke sind ungeplant. Kunst zu machen ist für mich eine Möglichkeit, mich visuell auszudrücken und auszudrücken. Während ich an einem Stück arbeite, erlaube ich meiner Intuition, meine Gefühle auf die Leinwand zu übertragen. Normalerweise arbeite ich in Acryl und Wasser auf Papier oder Leinwand. Wenn ich mich einer leeren Leinwand nähere, ist es immer sehr aufregend, dass ich nicht weiß, was passieren wird. Ich wähle Farbe, Pinsel, Papier und mache meine erste Markierung auf einem Papier. Von dort lasse ich mich führen. Abstrakte Kunst zu schaffen, ist für mich eine Übung im Fühlen, Zuhören und Vertrauen. Ich glaube, dass Kreativität und Kunst die Kraft haben, uns zu erwecken, zu heilen und umzuwandeln. Es kann als sanfter Weg zurück zu diesem Ort der Freiheit, Intuition, Mut und Vertrauen dienen.


Ich benutze Kunst, um die Welt um mich herum auszudrücken und zu färben und die wahrste Version von mir und anderen zu entdecken. Mit der Kraft von Bewegung und Kunst erlaube ich mir einen Sprung ins Unbekannte und hoffe, andere dazu zu ermutigen, dasselbe zu tun. Ich möchte unsere Beziehungen zu uns selbst herausfordern und wie wir das wieder herstellen können. Für mich ist das Kunst.




Constanze Thielecke


Zunächst gehe ich mit einer gewissen Portion Eigennutz an meine künstlerische Arbeit heran, denn ich kann im Prozess intuitiv arbeiten und die Linien fliessen lassen, kann mir die Zeit nehmen, meine Zeichnungen langsam aufzubauen oder bei den Ölbildern die Schichten nach und nach aufzutragen - es ist eine Art Meditation, denn die Zeit steht still. Das Konzept hinter meiner Kunst hat mit dem Vergangenen zu tun, dass ich in eine neue Konstellation bringe. Figuren aus der mythischen Geschichte oder auch Artefakte wie Vasen, die in den Bildern zwar festgehalten werden aber deren Verletzlichkeit ich gleichzeitig zeigen möchte.


Ich arbeite mit Stift und Papier sowie Pinsel und Leinwand. Was ich an der Ölmalerei und der Zeichnung schätze ist die Langsamkeit und Bedachtheit, mit denen sich die Bilder konstruieren und aufbauen lassen. Ich komme dabei immer wieder auf die Zeichnung zurück, da es für mich etwas sehr ursprüngliches und direktes hat, nur mit einem einfachen Mittel wie dem Bleistift eine eigene Welt zu bauen.


Ich freue mich, wenn die Betrachtenden sich im Innersten angesprochen fühlen. Wenn mir jemand sagt, dass er ein Bild emotional spürt, dann ist das das schönste Kompliment für mich. Eine konkrete Botschaft im pädagogischen Sinne gibt es nicht, ich habe einfach ein Interesse an dem Spiel mit Rollenbildern, Mythen und ihrem Festhalten aber auch der Freiheit und Neuverhandlung durch ihre Auflösung im Bild.




Richard Liebich


Im Grunde unterteilt sich mein künstlerisches Schaffen in Form von Malerei in zwei unterschiedliche Richtungen: abstrakt und Landschaft, im weitesten Sinne zusammengefasst. Oft überlege ich mir im Vorhinein nur eine grobe Idee, ein grobes Konzept und an anderen Tagen habe ich einfach nur Lust auf eine bestimmte Farbe/Farbkombination, Form oder Technik, welche ich umsetzen will und schaue dann, was passiert. Wie ein Bild am Ende aussehen soll oder wird, kann ich in den seltensten Fällen vorhersehen. Ich denke einfach nur von Schritt zu Schritt und lasse mich dabei gern treiben. Allgemein könnte man sagen, dass ich einer leeren Leinwand immer mit Vorfreude begegne.


Ich arbeite ausschließlich mit Acrylfarbe auf Leinwänden bespannt mit Baumwolle. Mein Hauptaugenmerk liegt hierbei auf der Farbe, nicht auf der Leinwand. Bei der Farbe achte ich auf viele Dinge: Viskosität, Deckkraft, Mischfähigkeit und generelle Farbgebung. Ebenso wichtig ist, wie lang die Farbe benötigt, um zu trocknen bzw. wie lange ich die Möglichkeit habe, sie auf der Leinwand weiter zu bearbeiten. Wie ich finde, gibt es hier bei den einzelnen Herstellern große Unterschiede und somit hat sich mittlerweile ein großes Repertoire von meinen favorisierten Produkten angesammelt. Im endgültigen Werk spielen die Materialien eine ausgesprochen wichtige Rolle. Nicht nur, dass ohne sie kein Bild vorhanden wäre, sondern durch sie wird einem Bild Struktur, Stimmung und Sinn verliehen.


Nun, ich habe nicht den dringenden Wunsch, die Welt mit meiner Kunst zu verändern, sondern vielmehr einen Eindruck dieser durch meine eigene Art und Weise, die Dinge zu sehen, wiederzugeben. Es macht mir Freude, meinen Gefühlen, Ideen oder Gedanken Ausdruck zu verleihen. Möglicherweise kann ich jemandem auf diese Art und Weise eine andere Perspektive aufzeigen, einfach nur zum Sinnieren verleiten oder anderweitig positiv auf die Gefühlswelt von jemandem einwirken. Ich male seit jeher gerne und mit ein bisschen Glück fällt es ab und zu jemandem beim Betrachten meiner Werke auf. Wenn ich mich auf eine Botschaft für meine Werke festlegen müsste würde ich sagen, dass man öfter auf die schönen, einzigartigen und auch ungewöhnlichen Dinge in der Welt um uns herum als auch in der in uns drin achten sollte.




Marita Tobner


Grundthema meiner Malerei ist die Liebe zum Leben und im besonderen die Lebenswirklichkeit von Frauen. So entstehen Momentaufnahmen vor dem Hinter-grund gesammelter Erlebnisse und Erfahrungen aus dem Alltag, dem Banalen und verdichten sich zu Geschichten.

Die Arbeiten thematisieren die vielfältigen Aspekte des menschlichen Seins, ihr Wesen und deren Beziehungen und Ambivalenzen zu- und untereinander. Die Umgebung, der Bildraum lässt sich nicht einfach Stereotypen zuordnen, abstrakte und gegenständliche Elemente durchdringen den Bildraum und geben in diesem Spannungsfeld den Blick frei auf inneres und äußeres Erleben.

Eine kraftvolle Farbgestaltung, die Verwendung verschiedenster stilistischer Mittel und Techniken, sowie die Dynamik der Grafik erzeugen neue vielschichtige Geschichten mit Details, die durch Intensität fesseln.


Bildideen ergeben sich aus eigenem Erleben als Frau sowie aus der Literatur. Oftmals steht der Titel eines Werkes vor Fertigung bereits fest und die einzelnen Stilelemente werden im Nachhinein gesucht. Dies erzeugt eine ausgeprägte Spannung, die im Malprozess auch intuitiv komponierte Elemente mit einfließen lässt.

Abstrakte und figurative Elemente werden in Dialog zueinander gesetzt und ergän-zen sich gegenseitig.

Am Anfang steht das Wort, gefolgt von der Auswahl des Farbkanons wird der Untergrund in Malerei angelegt. Collageelemente werden integriert und die Komposition wird z. B. mit Grafik und Spraypainting geordnet. Nun folgt die Integration des Hauptelementes, der Frau (Holz- oder Linolschnitt) in die Arbeit. Abschließend werden die einzelnen Elemente weiter ergänzt mit Grafik, Malerei und Collageelementen bis diese verdichtet in ihrer Aussage stimmig sind.


Meine Arbeiten entstehen seriell in Mischtechnik, also einer Mischung aus Acryl, Öl, Holz- oder Linolschnitt, Collage, Malerei und Zeichnung. Die Intention ist maximale Variation - auch in der Bildaussage - zu erreichen mit den unterschiedlichen Techniken und Materialien.

Meine Intention zur Arbeit ist das sichtbar machen inneren Erlebens im Dialog mit äußeren Lebenswirklichkeiten der Frau per se. Die Verflechtungen und auch Widersprüchlichkeiten menschlichen Seins aufzudecken und damit zur Diskussion zu stellen, sind mir ein großes Anliegen.




Beate Münch


Meine Kunst entsteht mit einer Idee, einem Gefühl, ohne Vorzeichnungen. Im Arbeitsprozess durch die experimentelle Offenheit, die dem Grundgedanken des Bildes als Basis diente, kann sich alles nochmal verändern. Es ist ein offener Prozess. Eine leere Leinwand, ein leeres Blatt Papier sehe ich als Einladung zur freien Gestaltung.


Ich male vorwiegend mit Acryl auf Leinwand oder Papier, aber es kommen auch andere Materialien zum Einsatz wie Kohle, Kreide, Sand etc. Die Auswahl der Materialien entsteht ganz intuitiv. Was mich gerade anspricht wird verwendet.


Mein Ziel ist es, den Betrachter durch mein Werk zum Nachdenken anzuregen und auf die Suche zu schicken um etwas zu entdecken, das ihn anspricht und ihn selbst berührt. Die Bedeutung meines künstlerischen Werkes liegt nicht darin, was gesehen wird, sondern was das Sehen für einen inneren Prozess auslöst.




Ingrid Hauff


Ich bin Autodidaktin - die Malerei ist für mich ein großes Glück. Nach der Diagnose Parkinson habe ich im Rahmen einer Kunsttherapie zum ersten Mal seit der Kindheit wieder gemalt. Das war im Mai 2015. Seitdem male ich jeden Tag. Ich erlebe es als sehr meditativ und kraftspendend. Deshalb ist es für mich unverzichtbar geworden, mich auf malerische Weise auszudrücken. Die Zeit steht still und ich bin ganz bei mir. Dann beginne ich intuitiv zu malen.


Die weiße Leinwand fordert mir immer wieder einen kurzen Moment Respekt ab. Aber dann kommt die spontane Auswahl der ersten Farbe, die ihren Platz meist zentral findet. Oft beginne ich mit hellen klaren Farben. Meine Stimmung prägt die weitere farbliche Präsenz. Es folgt ein sehr körperlicher Prozess in dem ich meist die Basis, den Hintergrund gestalte. Der Einsatz von Wasser, Spachteln, Tüchern und Lasuren dauert oft Stunden und lassen eine Tiefe der Fläche entstehen. Ich liebe die glatte transparente Oberfläche im Endergebnis. Durch diesen Prozess entfalten sich meine Gestalten und fangen an, die Leinwand zu beleben.


Ich arbeite gern mit Acrylfarben, die meiner oft sehr schnellen Arbeitsweise sehr entgegenkommen. Sie lassen sich gut mischen und trocknen sehr zügig. Ich mag die große Palette am Markt und lasse meine Erfahrungen mit einzelnen Farben verschiedener Anbieter bei der Auswahl einfließen. Ich bevorzuge Leinwände, die auch kraftvolle Farbaufträge und wiederholtes Abtragen von Farben überstehen. Es ist ein ständiges Probieren und Experimentieren, dass meinen Wissensschatz wachsen lässt. Zuletzt kommen die Konturen der Figuren die ich mit Acrylmarker weiter verstärke. Am Ende steht das fertige Bild.


Die Welt besteht aus einzelnen Menschen und es berührt mich sehr, wenn die Betrachter meiner Bilder die Emotionen zu spüren scheinen, die mich im Schaffensprozess bewegt haben. Ein großes Glücksgefühl ist es, wenn ältere Menschen fast kindliche Freude entwickeln, alle Gestalten auf meinen Kunstwerken zu entdecken. Überhaupt ist es schön, wenn sich Menschen für einen Moment aus der Gegenwart in das Reich der Fantasie entführen lassen.

Nicht zuletzt ist die Kunst ein Weg der Kommunikation mit meinen Mitmenschen. Das ist toll und ich bin sehr froh diesen Weg zu gehen und vielleicht andere zu überzeugen, es auch zu versuchen und ihrer Kreativität Raum zu geben.




Claudia Fauth

Die Leinwand oder das Papier ist das Trägermaterial. Ich bediene mich in meinen Arbeiten aber sehr vielen unterschiedlichen Materialien. Zuerst habe ich eine Idee im Kopf und diese beginne ich dann umzusetzen im allgemeinen weiß ich vorher genau was ich realisieren möchte.

Um so ungewöhnlicher die Materialien sind um so wichtiger ist Ihre Bedeutung. In letzter Zeit widme ich mich nur noch selten der Malerei. Ich baue zur Zeit große Sphären aus sich bewegenden Federn. Ich habe gerade die Yawanawa Indianer im Amazonas besucht und hatte dort genügend Zeit meine Kunst zu überdenken und in neue Richtungen zu gehen.

Die Botschaft die hinter meinem kreativen Schaffen steckt ist das Unbekannte erfahrbar zu machen und somit zur Entwicklung der Welt beizutragen.

Ivan Gette