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REMIX & FUSION: Die Ausstellenden im Interview Teil 1

Unter dem Motto Remix & Fusion präsentieren 17 Kunstschaffende aus Hamburg und Umgebung ab dem 07. September 2018 jeweils zwei ihrer Werke in der GRACE DENKER GALLERY und ermöglichen somit einen Einblick in ihre kreative Arbeit und machen neugierig auf mehr. Die unterschiedlichen Herangehensweisen, Ideen und Konzepte kreieren eine besondere, inspirierende Erfahrung. 

Lernen Sie in folgendem Beitrag die Ausstellenden besser kennen und erhalten Sie einen Einblick in ihr künstlerisches Schaffen und ihre artistischen Konzepte. Die Ausstellenden beantworten uns, wie ihr künstlerischer Prozess aussieht, wie sie beginnen und welche Materialien sie verwenden. Zudem erklären sie, welchen Einfluss ihre Kunst auf die Welt haben kann.

In Teil 1 äußern sich Sabine Beisert, Nadine Regling, Stefan Heyer, Silke Kampfmeier, Natascha Maas, Melanie Pick, Suzan Leisering und Wiebke Gärtner.

 

 

Sabine Beisert

 

Einer leeren Leinwand begegne ich mit großer Freude, es entsteht ein fast unwiderstehlicher Drang sie zu bearbeiten. Mein künstlerisches Konzept besteht manchmal aus einer groben Idee oder einer gewählten Technik, die sich im Prozess entwickelt, oft aber auch aus einem Freistil, der sich in verschiedenen Bearbeitungsphasen, ganz intuitiv und abhängig von Material und Werkzeug, zum fertigen Werk gestaltet. Einer festgelegten Linie folge ich nicht.

Meine Materialien umfassen ein großes Spektrum... Immer dabei Acryl. Gerne verarbeite ich auch andere Medien, intuitiv und experimentell, wie zum Beispiel Tinte, Pastell- und Ölkreiden, Strukturen, Laugen, Papier und Drucke (...um nur eine kleine Auswahl zu nennen) mit verschiedenen Werkzeugen in unterschiedlichen Techniken. Das Experiment steht dabei im Vordergrund. Die Vielfalt der verwendeten Materialien unterstützt den Facettenreichtum und verleiht Kraft im Ausdruck.

Mein Wunsch ist es, mit meinen Werken die Fantasie des Betrachters anzuregen, positive Empfindungen auszulösen und ihn in den Bann zu ziehen.... Einige meiner Bilder mit leisem Hintergrund, das tägliche Leben und Miteinander betreffend.

 

 

 

Nadine Regling

 

Ich habe das Motto: „Kunst kann man nicht beschreiben, man muss sie erleben.“ – So gestaltet sich auch mein kreativer Prozess. Eine leere Leinwand ist das wiederholte, erneute Verlieben. Leidenschaft, Aufregung, Kribbeln. Weil ich weiß, dass ich noch nichts weiß. Mein Seelenleben - das tanzt mit Farben und Formen. Jedes Mal aufs Neue.

 

Ich male hauptsächlich mit Acryl. Manchmal muss aber auch der Tuschkasten meiner Kinder herhalten. Die Farben, die finden mich und nicht andersrum. Ich habe keinen festen Ablauf oder Plan. Meine Stimmung gibt mein Handeln vor. Daher weiß ich auch nie, welche Farben ich heute oder morgen nutzen möchte. 

Meine Strukturpaste stelle ich zum Beispiel selbst her. Unsere Welt ist bestimmt von negativen Nachrichten und diese Zeitungsartikel sammle ich, lasse sie einweichen und verbinde sie mit Leim, Wasser und Salz. Das benutze ich dann als Grundierung und gebe meiner Leinwand dadurch eine neue Struktur. In dem Wissen, dass darauf gleich etwas Neues und Positives entsteht, bekommt das jeweilige Bild für mich persönlich, eine andere Dynamik. Es zeigt mir, dass aus allem Negativen wieder etwas Schönes entstehen kann.“

 

Wenn ich nur einen Menschen erreiche und in ihm irgendein Gefühl auslöse, dann ist es das, was mich glücklich macht. Ich male nicht für die Welt. Ich male aus Liebe. Für mich.

 

 

 

Stefan Heyer

 

Ich forsche nach einer neuen Schönheit im Spannungsfeld von meinem Erleben der Realität, politischen Interessen, Geschichte, Popkultur, Erfahrungen und Beobachtungen. Dabei habe ich eine ganz genaue Vorstellung vom Ungefähren. Ein Kunstwerk sollte meiner Meinung nicht zu komfortabel sitzen und in den Bereich vorstossen, der mit Wörtern nur noch unzureichend beschrieben werden kann. Wenn alles sofort klar ist, die Message einen anschreit, ist es langweilig. Rein gefühlige Malerei mag ich auch nicht. Ich kann nur für mich sprechen, aber ein Bild ist dann gut, wenn mein energetischer Zustand so verdichtet und auf den Punkt kommend diese oben beschriebene Ebenen verdichtet hat und ich in der Lage war, genau dieses zu kanalisieren. Das ist immer ein Mix aus Unbewusstem und dem Bewusstem. Sich gehenlassen und einfangen. Der Prozess ist nicht planbar, das Unvorhergesehene muss man annehmen, das Risiko des Scheiterns vor dem Bild annehmen. Erst in einem Zustand maximaler Anspannung - einer Trance gleich - erreiche ich dieses Level. Ich bin kein Kunstarbeiter, der jeden Tag in ein Studio gehen muss, um dann Farbe von links nach rechts zu schieben. Mein kreativer Prozess beginnt immer mit der bewussten Setzung eines Photos/mehrer Photos (der oben beschriebene analoge Phototransfer). Danach schalte ich erstmal das Gehirn aus und lasse das Unbewusste herausströmen, die angesammelte Energie. Das ist schwierig zu beschreiben, aber essentiell. Von da an verdichte ich, setze Flächen, Zeichen, Wörter, decke ab (weiß ist super wichtig bei mir), arbeite in der nassen Farbe weiter uswusf. Dabei versuche ich möglichst minimal zu arbeiten und die Fläche nicht tot zu malen. Das ist eine schwierige Gratwanderung und macht immer wieder den Reiz eines neuen Bildes aus. 

 

Sie spielen natürlich eine große Rolle. Ich habe viel ausprobiert und verworfen. Vor ca 4 Jahren habe ich gemerkt, das mein analoger Phototransfer am besten auf Holz funktioniert, trotzdem weiterhin fehleranfällig bleibt, was ich mag. Immer nach dem Motto: akzeptiere das Unvorhersehbare und Unvollkommene. Auch für  meine Zeichen- und Flächensetzung mit Stiften und Kreiden aller Art ist dieser harte, unzerstörbare Untergrund genau richtig. Neuerdings habe ich angefangen neben dem Öl auch Acryl einzusetzen, was wieder einen ganz anderen Reiz hat. Wie im richtigen Leben: öfters mal die Komfortzone verlassen und mit dem Boot soweit rausfahren, bis man das sichere Ufer nicht mehr sieht, finde ich wichtig. Für die nähere Zukunft plane ich Bilder im sehr großen Format - auf ungrundierter Baumwolle - aktuell gibt meine Ateliersituation dies jedoch nicht her. 

 

Natürlich kann ich die Welt verändern. Jede meiner Taten und Aktionen löst ja im Universum eine Reaktion/ Gegenreaktion aus. Alles ist Energie. Wenn eines meiner Bilder beim Betrachter das auslöst, was meine Lieblingskünstler, meine Lieblingsmusiken (24h!), ein bestimmtes Wort (zum Beispiel von Paul Celan) bei mir auslösen/ausgelöst haben, dann bin ich absolut zufrieden. Wenn Menschen meine Arbeit toll finden, bin ich happy. Wenn nicht, ist es auch ok. Bei allen auch schwierigen Themen versuche ich immer positiv zu bleiben, das finde ich wichtig. Man muss allerdings auch mal in den Abgrund schauen, um ihn zu überwinden. 

 

 

 

Silke Kampfmeier

 

Ich folge meiner Intuition. Versuche mich frei zu machen von Vorstellungen oder Zwängen. Das was dran ist wird sich zeigen. So schaffe ich mir fortwährend den Freiraum des Einfach-so-seins, den ich dann mit Neugier und Offenheit fülle. Die Einstellung „Vertraue in den Prozess“ begleitet mich dabei. 

Durch meine fast 20 jährige Erfahrung als Mediengestalterin, begegne ich einer leeren Leinwand oder einem leerem Papier mittlerweile relativ unverfroren. Wenn das Bild nicht meinen Vorstellungen entspricht, lasse ich es stehen, warte den Moment ab, bis mir das Bild wieder etwas sagt, mir etwas dazu einfällt und mache weiter oder male alles weiß und beginne wieder vor einer leeren Leinwand. In meinem Falle eher vor einer weißen Holzplatte. 

Der erste Moment, Farbe aufzubringen, ist meist ein ganz aufregender.
Was wird dem folgen? Wie wird das Ergebnis aussehen? Wie lange wird es brauchen? Kann ich mich einlassen? Wird es eine Technik sein, die ich schon kenne, oder möchte sich da eine ganz andere Bewegung, Technik, ein anderes Material zeigen? Und ganz oft kommt es anders, als ich es mir gedacht habe. 

 

Ich male hauptsächlich auf Holzplatten. Da gibt es zum einen die, die ich in einem Baumarkt kaufe und mein Wunschmaterial auf meine Wunschgröße zuschneiden lassen. Und dann gibt es noch die Holzstücke, die ich beim Spazierengehen oder beim Radfahren finde. Meistens in den Abfallkontainern von Baustellen. Die bringen nochmal eine ganz andere Geschichte mit sich. Teilweise ist das Holz durch Zement oder Wetter ausgedorrt und gerissen. Manchmal hat sich Farbe oder Putzstücke in die rissigen Poren reingefressen, Ecken sind abgeplatzt, Nägel eingerostet. 

Als Farbe verwende ich Acryl. In der Regel bringe ich die Farbe mit unterschiedlich großen Spachteln auf, die zwischen 3 bis 40 cm variieren können. Meine Lieblingsspachtel ist die handelsübliche Maurerkelle. 

Der Griff zur Farbe, zum Malgrund, zum Gerät, mit dem ich die Farbe auftrage geschieht spontan und meiner inneren Stimme folgend. 

Ich habe es gerne natürlich. Die nächste Herausforderung wird sein, Farben selbst herzustellen und so natürlich wie möglich und somit auch umweltfreundlich wie möglich zu arbeiten. Sonst würde ich sagen, spielt Holz in dem Sinne eine Rolle, da ich das Gewicht mag, wenn ich das fertige Kunstwerk anhebe und gleichzeitig auch die Haptik spannend finde, die Holz mit sich bringt. Warm, faserig, lebendig. Und nicht zu letzt wegen des warmen und honigartigen Duftes des Holzes.
Wichtig ist mir auch, dass das Bild sich weiterentwickeln darf, so wie es der Untergrund Holz tun wird. Mir ist die fortwährende Veränderungsmöglichkeit meiner Bilder wichtig, da dies den Prozess abbildet, in dem sich Leben unentwegt befindet. Aus diesem Grund verwende ich kein Finish, dass das Bild konservieren soll. 

 

Meine Wunsch ist es, dass sich Menschen mit meiner Kunst wohlfühlen. Dass es ihnen ein Stückchen besser geht, sie sich gesehen und verstanden fühlen und mit einem Lächeln in den Tag gehen. Dass z.B. eine Farbzusammenstellung sie anspricht und erfreut, oder ein besonderer Strich genau so ist, wie sie sich ihn schon immer gewünscht haben und sie sich wieder und wieder an seiner Perfektion erfreuen können. Unterm Strich möchte ich mit meiner Kunst den Menschen Mut machen, dass sie sich selbst ihre Welt ein bisschen schöner gestalten können. 

 

Vertraue deiner Intuition und vertraue dem Prozess. 

 

 

 

Natascha Maas

 

Ich fange meistens ohne große Vorstellung an zu malen, trage Farbschicht für Farbschicht auf. Die Farb- und Materialauswahl richtet sich dabei spontan nach meiner Stimmungslage.  Die Entscheidung, ob es ein abstraktes oder figuratives Bild wird, treffe ich oft erst während des Schaffensprozesses.

 

Ich arbeite gerne mit verschiedenen Materialien, aber hauptsächlich mit Acrylfarben.  Sie decken gut, leuchten schön intensiv und trocknen schnell.  Sprays, Tinten, Öl- und Pastellkreide setze ich ebenfalls ein, gelegentlich Pasten und Monotypien.  Das Zusammenspiel ist Teil meines künstlerischen Prozesses.  Einer festgelegten Linie folge ich dabei nicht.

 

Meine Kunst soll die Welt ein wenig bunter machen, die Kreativität des Betrachters anregen und viel Raum für die eigene Fantasie lassen.

 

 

 

Melanie Pick

 

Mein künstlerischer Prozess beginnt jedesmal erstmal darin, dass ich meine Küche mit Folie auslege und die Materialien zusammensuche! Das ist schon ein Ritual geworden. Dann setze ich mit einem Kaffee vor die leere Leinwand und stelle mir Farben zusammen. Danach stelle ich mir passend zu den Farben einen Soundtrack zusammen, jede Farbe hat ein eigenes Lied! dann setzte ich die erste Farbe auf die Leinwand, das erste Element und danach entsteht je nach Farbe und Musik das Bild, ob es sehr gradlinig geht oder doch fließende Formen. Durch meinen Job und Studium zur Grafikdesignerin habe ich gelernt, im Kopf sich schon eine grobe Vorstellung von einer Einteilung zu bilden, während man die weiße Fläche betrachtet. Und dann fange ich einfach an. 

Hauptsächlich arbeite ich mit Acrylfarbe, Spachtel und Pinsel zum verblenden auf Canvas. 
Für die Grundierung nehme ich oft günstige Acrylfarbe. Viele Bilder entstehen durch häufiges übermalen, dadurch entstehen oft interessante Strukturen im Untergrund, die man oft erst beim nahen betrachten sieht. Bei der letzten Schicht muss die Farbe dann schon gut sein, da die günstige oft zu „stumpf“  wirkt und ist auch schlechter zu verarbeiten. 

 

Ich hoffe, dass meine Kunst ein Medium der Verständigung sein kann, denn Kunst hat immer schon dafür gesorgt, dass sich Kulturen entwickeln und austauschen konnten. Durch die weltweite Vernetzung erreicht man auch andere Kulturen viel schneller, kann sich Inspirationen gleichzeitig aus allen Kulturen holen und das verbindet doch auch wieder. Meine Botschaft ist, dass die Leute miteinander kommunizieren und sich austauschen sollen, denn reden kann viele Missverständnisse beseitigen und vielleicht hilft es auch der Stimmung, die zur Zeit weltweit um sich greift, wieder etwas ins Lot zu bringen.
Und auch kleine Stimmen können etwas bewegen, wenn es genug sind. 

 

 

 

Suzan Leisering

 

Ein neues Bild fängt nie mit einem angestrebten Resultat oder einer Skizze an. Der Prozess des Werdens, der Fluss, die Entstehung ist das Finden eines jeden Werkes. Eine leere Leinwand ist neues Glück, Hoffnung und Herausforderung.

Ich habe eine Grundidee, die ich verfolge und das Komponieren des Bildes lässt mich zum Dirigenten werden, aber viel mehr spiele ich im Feld der unendlichen Möglichkeiten und schwimme in der Farbe bis sich der Strom verlangsamt, die Farbe sich sammelt, das Bild steht und es Zeit ist, ein neues Werk anzufangen. Die Resultate dieser Arbeit hängen dann in Ausstellungen und inspirieren den Betrachter. Für mich als Künstlerin ist das Produkt jedoch zweitrangig.

Ich suche „draußen“ keine Inspiration, ich denke es mir aus. Meine Bilder spiegeln auch nicht meine Emotionen wieder, weder mein Äußeres noch mein Inneres. Ich bewege mich in Welten umher und erforsche sie. Wenn mich etwas anregt, dann Farbe. Das Suchen und Finden eines interessanten Kontexts zwischen den Farben ist im Grunde Kernpunkt meiner Arbeit. Ich bin ein Kolorist. „Malen heißt nicht Formen färben, sondern Farben formen“, sagte Matisse als er die reine Farbe zum Mittelpunkt der Gestaltung machte.

 

Die Zeichentusche ist das perfekte Medium. Man kann mit ihr malen, zeichnen, sie dirigieren und von ihr dirigieren lassen. Sie lebt und ist autark, aber sie ist auch gehorsam. Die Farbe ist ein stellvertretendes Symbol für Energie, denn ich bin ein Energien-Forscher. Ich bewege mich hin und her zwischen Form und Formlosigkeit. Eigentlich ist alles eins: Die Fäden und Pfützen, Tuscheseen und Teiche sind Symbol für die alles kreierende Kraft, die ja selbst unsichtbar ist, aber Form annimmt. Auf meiner Leinwand nimmt sie Form an durch kräftige Rinderschädel, geheimnisvolle Geisterbäume, zarte Schmetterlingsflügel und prächtige Wüstenblumen.

Wenn die Zeichentusche mit dem Wasser ein Bündnis eingeht, ist das Leben ein Tanz, eine erhabene Vibrationsfrequenz. Meine Arbeit symbolisiert die Gewissheit des Ungewissen, das Fließen und den Fluss. Raum und Form erkennen sich wieder und werden eins.

Ich fordere ich Farben und Formen auf, miteinander zu spielen und zu tanzen. Dieser Farbentanz steht metaphorisch für die innere Beziehung zwischen Materie und formlosen Bewusstsein. Genauso wie das Unmanifestierte nicht zu einem Objekt des Wissens gemacht werden kann, ist auch meine Arbeit keine Beschreibung desselben.

Eher als zu erklären, versuche ich dieser unvergänglichen Lebensenergie ein Sinnbild in der Welt der Formen zu verleihen. Mit meiner Arbeit erhalten wir eine Einladung für eine Erweiterung unserer Vorstellungskraft, eine Anregung das Bekannte zu hinterfragen und einen Schritt aus den familiären Dimensionen der geraden Linien und Würfel ins Universum der unendlichen Möglichkeiten zu gehen. Meine Bilder sprechen unser unbegrenztes Bewusstsein an und übersteigen die Begrenzung unserer Rationalität.

 

 

Wenn ich male, bin ich die beste Version meiner Selbst. Wenn ich male, ergänze ich nicht, oder gebe vor, eine andere zu sein. Ich bin authentisch, am zufriedensten und lebe meine Wahrheit, meinen ganz persönlichen, individuellen Ausdruck. Ich fühle mich in meiner Haut wohl, mutig, stark und ganz.

Selbst in Momenten, die nichts Besonderes zu Stande bringen oder mir es nicht gelingt, eine Einheit auf der Leinwand zu kreieren und ich immer wieder ausprobieren muss, bis die Kommunikation mit dem Bild läuft, ist da ein Gefühl der Stimmigkeit, des sich verbunden fühlen.

Diese Stimmigkeit ist immer roh und niemals weichgespült. Da ist kein rosaroter Filter. Ich höre auf, Zufriedenheit im Äußeren finden zu wollen und es fühlt sich großartig an, im Moment verankert zu sein, im bloßen Sein. Das Atelier ist ein ganzheitlicher Ort für mich.

Es ist meine Überzeugung, dass jeder einzelne von uns ein Geschenk mitbringt. Dieses Geschenk mit anderen zu teilen, ist unsere Aufgabe. Uns in den Dienst der anderen zu stellen mit unserem Geschenk, scheint mir das sinnigste überhaupt zu sein. Dort, wo wir unsere Freude finden, dienen wir auch den anderen. Wenn wir unsere Freude leben, dann teilen wir unser Licht.

Mich fasziniert der Gedanke der Freiheit, durch die jeder von uns sein einzigartiges Geschenk leben darf. Wir müssen es uns selbst erlauben.

Martha Graham, Innovatorin des Modern Dance, bringt es für mich auf den Punkt:

"Es gibt eine Vitalität, eine Lebenskraft, eine Energie, eine Erquickung, die durch Dich in Aktion übersetzt wird, und weil Du einmalig bist, ist dieser Ausdruck einzigartig. Und wenn Du ihn blockierst, wird er nie durch ein anderes Medium existieren und er wird verloren gehen. Die Welt wird ihn nicht haben. Es ist weder Deine Aufgabe zu bestimmen, wie gut er ist, noch wie wertvoll, noch wie er sich mit anderen Ausdrücken vergleicht. Es ist Deine Aufgabe, ihn klar und direkt zu halten, den Kanal offen zu halten. Du musst nicht einmal an Dich selbst oder an Deine Arbeit glauben. Du musst dich offen halten und Dir den Trieben bewusst sein, die Dich motivieren. Halte den Kanal offen."

 

 

Wiebke Gärtner

 

Am Anfang steht meine Faszination für menschliche Körper und Motive, auch beginne ich häufig mit der Fotografie von Selbstportraits. Im Prozess des Malens nähere ich mich dem Verborgenen und dem Ursprünglichen hinter dem sichtbaren Motiv.

 

Mein bevorzugtes Medium ist Aquarell auf Papier. Das Eigenleben der Farben lässt Raum für unvorhergesehene Entdeckungen während des Malens, sodass sich die Ausgestaltung des Motivs im Prozess entwickeln kann. 

 

Das Malen ist für mich eine Art der Meditation. Die nicht-intentionale Botschaft ist eine Form von Selbstausdruck, der sowohl für sich bestehen als auch mit anderen geteilt werden kann.

 

 

Lesen Sie in Teil 2 weitere Antworten.

 

 

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