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Künstlerportrait: Yuliya Stratovich

Yuliya Stratovichs Arbeiten faszinieren durch ihre zumeist tiefschwarze Grundierung und die starken, hellen Kontraste. Sie malt nordische Orte, an denen sie bisher nur in ihren Tagträumen war. Dynamische Berglandschaften und weite Ozeane prägen ihr kreatives Schaffen. Im Interview verrät die junge Künstlerin, wie sich ihr kreatives Schaffen über die Jahre verändert hat, welche Bedeutung ihre Motive für sie haben und wie sie auch in weniger einfachen Zeiten stets der Kunst treu geblieben ist.

 The Path 2017

 

 

Wann haben Sie angefangen zu malen?

Schon während meiner Kindheit, seit meinem dritten Lebensjahr, ich erinnere mich deutlich daran. Ich bin in einer sehr kreativen Familie aufgewachsen, mein Vater ist Künstler. Zu dieser Zeit waren Bleistifte und Bilder meine einzigen Spielzeuge. Wir waren nicht reich, aber sehr zuversichtlich! Ich habe das Malen schon immer gemocht. Ich würde sagen, dass es das Einzige war, das mich jemals wirklich interessiert hat und mit vergehender Zeit ist meine Leidenschaft im Kern gleichgeblieben.

 

Hat sich Ihre Arbeit im Laufe der Zeit verändert? Gibt es andere Motive, neue Techniken, die Ihren kreativen Werdegang beeinflusst haben?

Natürlich, viel hat sich verändert. Ich habe lange nach meinem Material und meinem Medium gesucht. Denn das ist der wichtigste Teil - die Werkzeuge zu finden, mit denen du arbeiten wirst. Vielleicht kann man tatsächlich mit jedem Material arbeiten, aber es wird dieses eine Spezielle geben, mit dem du eine echte "Verwandtschaft" und eine bestimmte Verbundenheit spüren wirst.

Seit meiner Kindheit hat mich Aubrey Vincent Beardsley inspiriert und ich dachte lange, ich wäre eine grafische Künstlerin. Aber im Laufe der Zeit erschien die Technik mir zu dekorativ. Ich finde jedoch immer noch unglaubliche Eleganz im Medium der Tusche. Dann habe ich das Medium Pastell gemeistert und lange benutzt. Ich habe vor allem Akte gemalt, da mich der menschliche Körper verzaubert, der so schön in seiner Unvollkommenheit ist.

Dann gab es eine ziemlich lange Krise, in der ich die Arbeit von Conrad Godlys fand. Ich glaube, dass dieser Künstler mich wieder zum Leben erweckt hat. Mir wurde klar, dass ich ausprobieren wollte so zu arbeiten wie er, tun wollte, was er tat. Ich wollte mit einem Spachtel arbeiten denn diese Technik war und ist immer noch das Schönste, das ich jemals gesehen habe. Meine Güte, war das eine großartige Entscheidung! Weil die Art und Weise wie ich jetzt male, so anders ist als vorher; Ich möchte ganz andere Dinge vermitteln. Ich liebe es mit Acrylfarben und Texturen zu arbeiten und mit der Zeit habe ich ein noch tieferes Verständnis davon erlangt, was ich mache und wie ich vorgehe. Er war es jedoch, der mir ein zweites Leben gab.

 

Warum haben Sie sich auf das Motiv der weiten, nordischen Landschaften spezialisiert? Was macht sie so interessant für Sie? Wie haben Sie entschieden, dass Sie das malen möchten?

Ich habe lange über diese Frage nachgedacht. Weil ich jeden Tag auch andere Materialien, Szenen und Stile ausprobiere. Aber ich kehre immer zurück in die Berge, zum Meer und in den Schnee. Ich habe sorgfältig darüber nachgedacht und ich denke, dass jeder Künstler sich selbst malt; genauso wie die Materialien, die er verwendet, auch "wie er aussehen" (ich habe eine ganze Theorie darüber!). Ich bin sehr jung und habe keine umfangreichen, komplexen oder extremen Lebenserfahrungen, die ich durch meine Arbeit teilen kann. Aber in jedem Bild platziere ich kleine Figuren, an den Stränden oder in den Bergen. Und ich fragte mich immer, woher sie kamen. Dann wurde mir klar, dass ich es war! Die Berge und der harsche Norden, den ich male, sind eine Metapher für das Leben. Alle Gipfel sind die Ziele, die wir jeden Tag anstreben. In meiner Vorstellung bin ich eine Kämpferin, die winzige Person auf dem Gemälde; Es hilft mir, voranzukommen.

 

Siehst du dich in der Zukunft andere Motive malen?

Sicher. Ich verändere mich, das Leben verändert sich, ich werde reicher an Erfahrungen. Es ist nur logisch, dass dies zu etwas Neuem führt. Ich möchte gerne letztendlich die Möglichkeit haben, etwas Globales mit meiner Kunst zu sagen und dies mit höchster Beherrschung der Techniken zu vollbringen, damit es universell verstanden werden kann.

 

Welche Werkzeuge verwenden Sie in Ihren Arbeiten und welche verwenden Sie am häufigsten und warum?

Ich male mit Acryl- und Spachtel. Ich liebe die Dichte von Acryl, die Tatsache, dass du sehr schnell damit arbeiten musst und es dir keine zweite Chance gibt - du musst definitiv wissen, was du machen willst. Es trocknet sehr schnell, was es perfekt für mich macht, da ich das Warten hasse. Der Spachtel ist meine große Liebe - die Texturen, das Volumen und tausend Effekte, die man damit erreichen kann, sind unglaublich. All das "Brutale", das in mir ist, kann es auf der Leinwand ausdrücken. Dies ist Selbstausdruck mit der Hilfe eines Spachtels.

 

Sie haben an der European Humanities University zeitgenössische Kunst studiert. Was war die wichtigste Lektion die Sie während Ihrer Zeit an der Universität erhalten haben und wie hat Ihnen das als Künstlerin geholfen?

Der wichtigste Aspekt ist, dass die Zeit an der Universität meine Sichtweise auf Kunst und meinen Kunstgeschmack verändert hat. Man muss bedenken, dass ich in einem postsowjetischen Land aufgewachsen bin, in dem die Sichtweise von Kunst und Traditionen völlig anders ist als in europäischen Ländern. Der Geist der Sowjetunion war immer noch sehr präsent. Alles war und ist viel akademischer und konservativer. Ich bin zum Beispiel mit den Alben von Caravaggio, Semiradsky und Vrubel aufgewachsen. Das hat mich auch sehr beeinflusst. Und man darf nicht die künstlerische Vision meines Vaters vergessen, die mich sehr beeinflusst hat.

Als ich "Theorien und Praktiken moderner Kunst" studierte, arbeitete ich im Grunde mit Dingen, die ich nicht akzeptierte und die mir fremd waren. Ich denke, dass ich zu dieser Zeit noch nicht alles verstanden habe. Aber es hat etwas in mir verändert. Und ich erinnere mich an den Moment, als ich erkannte und akzeptierte, dass ich Minimalismus und Konstruktivismus liebe. Das diese einfachen Formen und Linien mit mir übereinstimmen und mich ansprechen; dieses Gefühl, wenn man etwas betrachtet und ein unglaubliches Gefühl der Dankbarkeit für seine Schönheit empfindet. Darüber streite ich immer noch mit meinem Vater.

Aber ich glaube wirklich, dass die Schönheit in der Einfachheit liegt.

 

Wie sieht Ihre Vision ihres künstlerischen Selbst in der Zukunft aus?

Ich bin inspiriert, mich als eine Künstlerin zu präsentieren, die jeden Tag arbeitet und wächst. Die ständig etwas Neues versucht und Ihre Fähigkeiten entwickelt. Eine Künstlerin, die keine Inspiration erwartet, sondern ein tägliches Ringen mit sich selbst im Streben nach Wachstum. Wenn die Inspiration dann über mich kommt, ich auch technisch bereit bin, diese auf der Leinwand zu verkörpern und auszudrücken. Vielleicht sogar irgendwo im Straight Edge, um so lange wie möglich schaffen und zeichnen zu können. Wenn Sie ein Künstler sind, werden Sie sich nie des nächsten Tages sicher sein können. Und deshalb sollten Sie alles tun, um sicherzustellen, dass Sie immer Geld für Materialien zum Zeichnen und Malen haben. Weil Malen - Leben ist.

 

Was waren die größten Schwierigkeiten, mit denen Sie als Künstlerin konfrontiert waren und wie sind Sie mit ihnen umgegangen?

Meine größte Schwierigkeit war mit meinem Vater, weil er nicht wollte, dass ich Künstlerin werde. Er wollte etwas Stabileres und Zuverlässigeres für mich. Er dachte im Allgemeinen, dass ich es nicht schaffen würde. Es war ein endloser Konflikt, also beschloss ich, in eine andere Stadt zu ziehen. Dann gab es einen Moment der Krise, als ich mir nicht vorstellen konnte, dass ich je wieder malen würde. Meine Hände fühlten sich an, als wären sie nicht meine! Ich arbeitete dann als Floristin und in der Landschaftsgestaltung. Ich baute ein Studio auf, um mein kreatives Potenzial zumindest auf irgendeine Weise zu realisieren, denn es ist wichtig, dass diese kreative Flamme in Gang und am Leben erhalten bleibt. Eines Tages lag ein Buch namens "The Artist's Way" in meinen Händen und es zog mich aus dieser Krise heraus. Danach gab es auch Momente des Selbstzweifels, aber dann unterstützten mich Freunde und Familie und sagten, dass "alles gut läuft“ und „bitte mach einfach weiter". Es lief natürlich nicht immer alles wie geplant, aber all diese Schwierigkeiten sind auf dem Weg der Selbstfindung eines Künstlers normal. Wenn jetzt etwas in meiner Technik nicht so läuft, wie ich es mir vorstelle, versuche ich es einfach weiter, bis es funktioniert.

 

Was inspiriert Sie? Haben Sie Zeiten, in denen Sie sich nicht  inspiriert fühlen? Was machen Sie  in solchen Zeiten?

Ich bin inspiriert von modernen Künstlern wie Ricardo Galán Urréjola, James Somerville, Kim Englisch, Conny Niehoff, Simon Kenny, Lynn Bogges, Jeremy Mann, Douglas Fryer und meinem Liebling Paul Bennett. Um ehrlich zu sein, verspüre ich ungefähr 50% der Zeit einen Mangel an Inspiration! Ich arbeite einfach jeden Tag und das ist alles, so hat mich mein Vater gelehrt. Manchmal geschieht Inspiration so plötzlich, du musst dafür bereit sein. Wenn es zu schwierig und uninspiriert wird, wechsle ich gerne für einen Tag in das Medium Keramik, arbeite als Floristin oder lehre eines dieser Themen. Das hilft meistens. Und am wichtigsten ist es, einfach so viel wie möglich um sich herum wahrzunehmen. Zu "schauen" und zu "sehen" und zu versuchen, die Schönheit zu bemerken und dafür dankbar zu sein.

 

Wie sieht Ihre Philosophie in Bezug auf die Kunst aus?

Schönheit liegt in der Einfachheit. Ich erschaffe und kreiere Kunst, nicht weil ich es kann, sondern weil ich es nicht lassen kann. In Wirklichkeit gibt keine spezielle Philosophie!

 

Vielen Dank für das Interview.

The Foam of Days 2017

 

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